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350 Helfer üben den Ernstfall

Zugunglück im Freudensteintunnel simuliert

Reges Treiben herrschte in der Nacht von Samstag auf Sonntag in und rund um den Freudenstein-Bahntunnel auf Gemarkung Diefenbach. Hintergrund war eine Einsatzübung der Deutschen Bahn AG gemeinsam mit der unteren Katastrophenschutzbehörde und den örtlich zuständigen Rettungsdiensten. "Das Notfallmanagement der Deutschen Bahn ist angehalten, in regelmäßigen Abständen solche Rettungseinsätze zu üben, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein", erläutert Kreisbrandmeister Christian Spielvogel die nächtliche Aktion.

Das Übungsszenario: Auf der Schnellbahnstrecke Stuttgart Richtung Mannheim entgleist in Folge eines Gleisbruches ein mit ca. 50 Personen besetzter ICE im Freudensteintunnel. Die beiden Triebköpfe sowie die dazwischen liegenden Wagen stecken im Gleisbett fest und sind teilweise zur Tunnelwand geneigt oder gegen diese gekippt. Die Oberleitung des Fahrdrahtes ist in Fahrtrichtung erheblich beschädigt. Beide Lokführer sind verletzt aber ansprechbar. "Es wird angenommen, dass sie einen Notruf an die Notfall-Leitstelle der Bahn absetzen können", beschreibt Spielvogel die fiktive Situation. Fast zeitgleich melden jedoch auch zahlreiche "Fahrgäste" über Notruf 112 die Entgleisung des Zuges. Die eigentliche Einsatzübung beginnt. "Von der Bahn wird die Integrierte Leitstelle Pforzheim-Enzkreis informiert, die erst vor kurzem in Betrieb genommen wurde; von dort geht der Alarm an die Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienste", erklärt Spielvogel die Abläufe.

Im konkreten Fall rückten zunächst die örtlichen Feuerwehren aus, um die Unfallstelle zu erkunden. So treffen auch als erstes die Feuerwehren Sternenfels und Maulbronn mit jeweils zwei Fahrzeugen vor Ort ein. Dann werden weitere Einsatzkräfte abgerufen und eingesetzt. "Wegen der schmalen Waldwege war dabei die Einhaltung eines Einbahnverkehrs enorm wichtig", so Spielvogel. Bei einem Vorfall dieser Größenordnung mit einer Vielzahl von betroffenen und meist verletzten Personen braucht es jedoch weitaus mehr Helfer. "In dieser Nacht haben insgesamt rund 350 Teilnehmer für den Ernstfall trainiert, darunter rund 50 Statisten, die zur Hälfte verletzte und unverletzte Fahrgäste des ICEs mimten", weiß Andreas Schuster. Er ist im Landratsamt für den Bereich Bevölkerungsschutz zuständig und damit oblag ihm die Organisation der Einsatzübung. Neben Sternenfels und Maulbronn kamen auch die Wehren von Illingen und Knittlingen zum Einsatz; sie sind für den im Enzkreis liegenden Streckenabschnitt zuständig. Außerdem war die Feuerwehr Oberderdingen beteiligt, die diese Aufgabe am West-Portal des Tunnels wahrnimmt. Das Technische Hilfswerk sorgte für die weiträumige Ausleuchtung der Tunnelportale und der Rettungsplätze. Für die Versorgung von verletzten und die Betreuung unverletzter Personen war das Deutsche Rote Kreuz involviert, unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Notfallversorgung.

Erstmals bei einer Übung dieser Größenordnung kam die überörtlich aufgestellte Führungsunterstützungseinheit Stromberg zum Einsatz. "Eine Vorgabe der Bahn war die Einbindung ihrer Rettungszüge aus Stuttgart und Mannheim", sagt Schuster. Mit diesen speziell für solche Unglücksfälle ausgestatteten Zügen sorgten die Berufsfeuerwehren der beiden Städte gemeinsam mit den Johannitern für die Rettung und Evakuierung der Fahrgäste aus dem verunglückten Zug. "Da wir bei solchen Unfällen sehr eng mit der Bahn, aber auch der Bundespolizeiinspektion und dem Polizeipräsidium Karlsruhe kooperieren, ist ein regelmäßiges Training aller Beteiligten enorm wichtig. Nur so funktionieren die mitunter lebensrettenden Abläufe auch reibungslos", betont der Kreisbrandmeister. "Leider mussten wir die heutige Übung um 3:40 Uhr vorzeitig beenden, da zwei Personen aufgrund des langen Aufenthalts im Bahntunnel zu viele Abgase eingeatmet hatten. Sie wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Darstellerinnen hatten sich überanstrengt und wurden ebenfalls ärztlich behandelt", bedauert Spielvogel.

Text: Enzkreis
Fotos: DRK

3. November 2015 13:35 Uhr. Alter: 296 Tage

 

 


 

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