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Rettung im Smartphone-Zeitalter

Integrierte Leitstelle unterstützt Anrufer bei Standortübermittlung

Das Foto zeigt eine Standortübermittlung an die Integrierte Leitstelle per Smartphone.

Helene K. (Name geändert) wird der Radausflug vom vergangenen Montag noch lange in Erinnerung bleiben. Zusammen mit ihrem Ehemann Rolf war sie nachmittags im Wald zwischen Heimsheim und Perouse unterwegs. Plötzlich wurde ihr Mann langsamer, äußerte Unwohlsein, musste absteigen und setzte sich an den Wegrand. Seine Frau wurde nervös - sie hatte zwar ein Handy dabei, aber keine Ahnung, wo genau sie sich befand. Zudem machte sie sich große Sorgen um die Gesundheit ihres Mannes.

In Ihrer Not wählte sie die 112 und wurde zur Integrierten Leitstelle Pforzheim-Enzkreis (ILS) verbunden. Sebastian Stieglbauer, der diese für den hiesigen DRK-Kreisverband leitet, nahm ihren Anruf entgegen. "Nachdem ich ihr die für ihre Situation wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen erklärt hatte, habe ich die Anruferin dazu angeleitet, parallel vom Smartphone ihres Mannes aus ihren Standort per Nachrichtendienst an die ILS zu schicken", erläutert Stieglbauer. Vom Notrufeingang bis zum Eintreffen des Rettungswagens an der Einsatzstelle seien so trotz des anfangs unklaren Einsatzorts auf einem Fahrradweg im Wald nur elf Minuten vergangen. "Der Patient wurde mit einem internistischen Problem vom Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert", ergänzt Stieglbauer.

Eine Premiere war dies für die Disponenten der ILS jedoch nicht. Die Mitarbeiter dort wurden bereits vor eineinhalb Jahren zu dieser Thematik geschult. Da für den Katastrophenfall sowieso ein Handy in der Leitstelle bereit liegt, wurde dies mit einem Nachrichtendienst ausgestattet. "Im vergangenen Jahr ist dies rund 20-mal genutzt worden", sagt Stieglbauer. Seit Beginn der wärmeren Jahreszeit sei dies in 2018 mehrmals im Monate vorgekommen. Bei einem Notruf werde zwar ein grober Standort des Anrufers an die ILS übertragen, jedoch sei die Standortermittlung per Smartphone bis auf wenige Meter viel genauer. Wenn sich nun bei einem Notruf herausstellt, dass die Person nicht exakt sagen kann, wo sie sich befindet, kann der Disponent der ILS eine Nachricht mit Bitte um Standort-Übermittlung an den Anrufer senden. Bei Bedarf enthält diese eine genaue Anleitung, wie dies funktioniert. "So ist es uns sowohl möglich, telefonisch zur Ersten Hilfe anzuleiten, als auch technische Unterstützung zu bieten", sagt Stieglbauer.

Bei allen Bedenken hinsichtlich der Datenerhebung durch Anbieter wie Whatsapp oder Google Maps muss man somit auch feststellen, dass dies wie hier im Beispiel auch lebensrettend sein kann.

Text+Bild: D. Kneis

8. Juli 2018 12:21 Uhr. Alter: 128 Tage

 

 

 


 

 

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