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Wiederbelebung: Wenn jede Sekunde zählt

Leitstelle unterstützt per Telefon bei Reanimation

Im Erste Hilfe Kurs geht es beim DRK unter anderem ums Thema Reanimation mit Hilfe eines Defibrillators.

Eben noch war Michael K. guter Dinge und scherzte mit seinen Bekannten beim Straßenfest. Plötzlich wird ihm schwindelig, er spürt ein Stechen im Brustkorb und sinkt bewusstlos in sich zusammen. Seine Frau wählt den Notruf 112 und landet bei den Disponenten der Integrierten Leitstelle Pforzheim-Enzkreis (ILS). Von dort aus werden ihr nicht nur Rettungswagen und Notarzt geschickt, sondern sie erhält direkt eine Anleitung, was sie nun selbst für ihren Mann tun kann - in diesem Fall handelt es sich um eine Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Szenarien wie diese sind keine Seltenheit für die Mitarbeiter der ILS. Für die Anrufer aber sind sie umso besonders. "Die Angst, etwas falsch zu machen ist groß", weiß Sebastian Stieglbauer vom DRK, der die ILS für den Bereich Rettungsdienst leitet. "Das einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun." Deshalb will auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bürger zur aktuellen bundesweiten "Woche der Wiederbelebung" ermutigen, Herzdruckmassage zu lernen. "Im Notfall zu helfen, ist wahrgenommene mitmenschliche Verantwortung. So wie jeder Mensch in eine Notsituation kommen kann, kann auch jeder helfen", sagt Spahn.

Was genau bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun ist, erklären beispielsweise die Ausbilder in einem Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz. Die Helferkette wird dann durch die Disponenten in der ILS ergänzt, in dem sie die Anrufer telefonisch zur Reanimation anleiten und sie währenddessen begleiten bis professionelle Hilfe - beispielsweise ehrenamtliche Rotkreuzler aus den "Helfer vor Ort"-Gruppen der Ortsvereine oder der hauptamtliche Rettungsdienst - am Einsatzort eintrifft. Im Jahr 2017 hat die ILS 100 Telefonreanimationen begleitet; dieses Jahr waren es bereits 77.

Aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern hat Prof. Dr. Wolfgang Kramer, Präsident des hiesigen DRK-Kreisverbandes, zusammen mit weiteren Spezialisten Leitlinien für die Telefonreanimation erarbeitet und diese in seiner Funktion als Landesarzt im Auftrag des DRK Landesverbandes Baden-Württemberg herausgegeben. Dieser Abfragekatalog ist fester Ausbildungsbestandteil für Leitstellenmitarbeiter. Wird bei einem Notruf deutlich, dass Anleitung zur Hilfe benötigt wird, gibt der Disponent Anweisungen zu den lebenswichtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts. "Wichtig ist vor allem, dass die Disponenten mit kräftiger Stimme ihre Autorität unterstreichen, den Betroffenen klare Anweisungen für eine Reanimation geben und die Anrufer in solch einem Notfall an sich binden", betont Kramer. "Es soll zum Handeln ermutigt werden, denn bei einem Herz-Kreislauf-Notfall zählt jede Sekunde." Selbst wenn die Anrufer irgendwann einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hatten, so erinnern sich die meisten nach mehr als zwei Jahren kaum noch an dessen Inhalt beziehungsweise an die korrekte Umsetzung der Herzdruckmassage. "Deshalb ist die Wiederholung eines Erste-Hilfe-Kurses enorm wichtig, weil die erste Phase eines solchen medizinischen Notfalles von unendlich großer Bedeutung ist", sagt Kramer. Je früher aktiv eingegriffen werde, umso niedriger sei die Komplikationsrate beziehungsweise umso höher die Überlebenschance im Nachhinein.

Unter www.rotkreuzkurs.de könnten Interessierte unter Eingabe ihres Wohnortes den nächsten Erste-Hilfe-Kurs in ihrer Nähe abrufen.

Hintergrund: Das Motto der "Woche der Wiederbelebung" ist auch 2018 wieder "Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation" - eine Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. in Kooperation mit dem German Resuscitation Council sowie der Stiftung Deutsche Anästhesiologie. In dieser Woche sollen Bürgerinnen und Bürger durch verschiedene Aktionen aufgeklärt und motiviert werden, sich mit den wenigen Schritten "prüfen - rufen - drücken", die lebensrettend sein können, vertraut zu machen. Jedes Jahr erleiden mindestens 50.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Ihre Überlebenschance hängt an wenigen Minuten. Denn das Gehirn beginnt bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand bereits nach nur 3-5 Minuten ohne Blutfluss unwiederbringlich zu sterben. Das ist ein wichtiges Zeitfenster, in dem man mit einer sofortigen Herzdruckmassage Leben retten kann, zumal der Rettungsdienst im Durchschnitt acht Minuten oder länger bis zum Eintreffen braucht.

Text: D. Kneis/einlebenretten.de
Foto: DRK

 

 

18. September 2018 10:23 Uhr. Alter: 83 Tage

 

 

 


 

 

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